erste Eindrücke von Ereignissen mit kunstcharakter ... kunst kommt von... vielleicht weil sie das Verbotene, Unerhörte, Irreguläre
Werner Pokorny im H2
H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast, Kunstsammlungen und Museen, Beim Glaspalast 1 / Amagasakiallee
Ausstellungsdauer: 30. Oktober 2011 bis 12. Februar 2012
Informationen: Telefon: 0821 3244155
www.h2-glaspalast.de
Öffnungszeiten:
Dienstag: 10 bis 20 Uhr
Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr
Führungen durch die Ausstellung: Sonntag 11 Uhr und nach Vereinbarung (Anmeldung unter Telefon: 0821 324 4169
Im H2 - Zentrum für Gegenwartskunst kann man endlich wieder etwas Neues sehen, nachdem die bodenlose Mittellosigkeit und die hemmungslose Inanspruchnahme der Gegenwartskunst durch die Augsburger Lokalpolitik das bisherige Image des H2, Licht ins schwarze Dunkel der christlich-sozial-frei-bürgerlichen, Bayerischen "Gegen Kultur!" zu werfen, schon fast völlig zerstört hatte.
In der Halle sind nun wunderbar arrangiert die großen, mitunter archaisierenden Holzskulpturen von Werner Pokorny, Professor der Bildhauerei in Stuttgart. Die Werke verbinden einfache Grundformen der Geometrie mit denen der gerbrauchsorientierten Gestaltung, Architektur und Design. In kreisförmigen Anordnungen lässt Pokorny die Agora des griechischen Theaters anklingen, und auch der opulente uund bildreiche Katalog mit zahlreichen Beiträgen kluger AutorInnen und sehr schönen Ausstellungsfotografien, deutet einen Beziehung zur kulturellen Thematik des Spiels an. So nennen wir es also spielerisch, wie Pokorny die grobe Schwere seines Materials betont, wenn er große Klötze in den urtypischen Formen von spitzgiebeligen Häusern so auf einem hölzernen Podest versammelt, dass diese sich gegenseitig beengen und zu verkanten scheinen wie in die Jahre gekommene Zahnreihen - nur eben zum Glück viel schöner und im Material hygienischer. Wenn Hinweise aus den kreisförmigen Anordnungen der großen Figuren wie Winke mit dem Zaunpfeiler auf die Eröffnungsredner verweisen, ist es ebenfalls spielerisch, wenn auch, so wie wir auch die Kreisform nicht wirklich mögen, irgendwie schlicht.Vielleicht sind die Werke Pokornys insofern ins falsche Licht gesetzt, wenn man sie aus der oberflächlichen Anordnung im Raum, dem quasi wahrnehmunngsästhetischen Eindruck heraus, beurteilt. Sie entfalten sich und gewinnen Komplexität, wenn man den quasi interdisziplinären Anspruch der Werke reflektiert. Die Affinität zu Design und Theater, abendländischem Häuslebau und formschönen Obstschüsseln, zeigt dann erst ihre erfrischende Kraft: Die offenen, schalenförmigen Holzgebilde, die längs durch den Raum zu fließen scheinen, wirken *an sich* formal schlicht, nur eben als gigantomane Vergrößerung der innenarchitektonisch geläufigen Gestalt der Schale auf Tisch und Regal, kontrastiv: Die Häuser sind mitunter auf Schalengröße reduziert und auf Tischen und Podesten aufgestellt; die Schalen sind zu Felsgestein uund Ruhepunkten in der offenen Landschaft umformuliert. Der Rollentausch erst gibt den Gebilden und der Inszenierung des gesamten Raumes Esprit und stiftet Bezüge, die alle ausgestellten Werke in neuer Weise vernetzen. Von diesem Standpunkt aus kann man sich auch die Frage stellen, wie in den besonderen Räumlichkeiten des Glaspalast, der betö(r/n)enden Lichtromantik der großen Halle, das grobmaterielle, ungeschliffene Holz auf uns wirkt. Die Fotos zeigen, so der Eindruck von ARTY, dass die vom Kurator in der Eröffnungsrede hervorgehobene Spannung zwischen dem warmen Hölzernen und dem kalten Beton sich positive entfaltet besonders durch die Vermittlung "Dritter", wie z.B. die BesucherInnen, die in der Kontrastmotivik des Ausstellungsarrangements Übergänge situieren - vermutlich aber auch das Licht selbst, und seine Schatten, wenn es während der üblichen Öffnungszeiten nicht gar so zahlreiche BesucherInnen in den hellen Hallen geben sollte wie während der Eröffnung.
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