Hier schreibe ich über meine ersten Eindrücke von aktuellen Ausstellungen und Konzerten, Theaterstücken und - vorführungen, Filmen uund Parties mit KUNSTCHARAKTER. Erst heute fand ich im Streit mit einer geschmackvoll aber stilimitatorisch arbeitenden Künstlerin zu der vorläufigen (heuristischen) *Definition, dass Kunst in gewisser Weise voraussetzt, dass das Wie und Was-wie nicht mehr existent, nicht mehr akzeptiert oder nicht mehr bekannt ist. Man darf also durchaus versuchen, splitternackt und unsympathisch von einer Galerieecke in die andere zu hechten, vielleicht mit Pigment oder Blei am großen Zeh. Selbst wenn solche Kunst erfolglos bleibt, kommt sie einem angemessenen Kunstbegriff von zeitgenössischer Kunst näher als über Jahrhunderte hinweg neu erwärmter Spinat - vielleicht weil sie das Verbotene, Unerhörte, Irreguläre oder Regelwidersetzliche für sich als gestaltbares, nicht wirklich anarchisch-amorphes Feld für sich benennt. Soviel zum Diskursstil dieses Blogs. Der Avatar ist vielleicht eher ein Witz. Wie muss man aussehen, wenn man so schreibt? Eine Idee für einen Fotowettbewerb um das beste ARTY-Model...
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Heute Abend bzw. gestern (am 6.6.11) war ich noch schnell vor Schluss in der Ausstellung "Something's missing?" von Kathrina Rudolph. Ich fand eine nette Künstlerin - ganz abgesehen von dem sympathischen Hausherrn dort natürlich - G
zG -, die mich durch die Ausstellung führte. In den hinteren Räumen sowohl ausgebreitet als auch versteckt fand man Bleistiftzeichnungen auf Wand und Papier, zum Dots-of-Universe-Mobile frei nach Yayoi Kusama inszeniert. Auch eine Serie von Bleistiftzeichnungen schreiender, leidender uund flüchtender Menschen. in den vorderen Räumen jeweils neun Bilder mit Portraits, ikonologisch an der Ikonenmalerei orientiert und auch handwerklich eine explizite Mischung aus traditionellen und modernen Formen. Rudolph versteht ihre Arbeit gesellschaftspolitisch - viele ihrer Portraits zeigen, dass sie ihre Kunst, wie gefällig auch immer, thematisch den Unterrepräsentierten widmet. In der Regeln sind es die Hintergründe, die durch ihre Struktur und ihr Muster etwas über die Portraitierten zu erkennen geben. Indien interessierte Rudolph wegen der vielfältigen Ornamentik. In früheren Werken ist der Hintergrund das einzig Ausgestaltete, während die Figuren selbst aus ihren Konturen entstehen. In Arbeiten über Frauen in Indien sind die Techniken wieder harmlos konservativ umgesetzt, z.B. Aquarelle bei Halbportraits von Mädchen in Hilfsprojekten. Die Rücksichtnahme auf mangelnde Kunsterfahrung der Portaitierten spielt hier vielleicht eine Rolle - Inderinnen, die sich für Portraits gerne zur Verfügung stellten, wären von Bilder, die nur ihre Kontuiren zeigen, sicher enttäuscht gewesen. Allerdings wurden einige ohnehin 'nur' fotografiert, zufällig oder aufgrund von irgendetwas aus der Menge herausgesucht für ein Foto, das als Bildvorlage diente.
Es ist auch Subjektivität der Künstlerin im Spiel, die niemanden angreifen möchte, andererseits aber kritische Distanz wahrt. Deshalb sind die Bilder, häufig Graphit, alle sehr sorgfältig gezeichnet und in ihrer Ironie nahezu entsetzlich leise. Die Ironie liegt in der Zurückführung lebendiger, häufig dramatischer Ereignisse auf ornamentale Formen. Zugleich mischt sich die Symbolik der abstrakt-pflanzlichen (d.h. neu-impressionistischem) Werke mit allen möglichen anderen frei schwebenden Zeichen . Resultat können TV-Zeitschriften-Cover sein, die dann in ihrem übertriebenen Gestus für sich stehen und quasi schweigend auf Applaus warten - siehe das Titelbild dieses Blogs.
Dennoch bilden die ikonischen Portraits links und rechts in der Galerie einen deutlichen, gezielten Kontrast: alte Frauen und erfahrene, vom Leben gezeichnete Frauen - schöne Frauen, junge Frauen auf der anderen Seite. Für ihr Portraitfoto wählte Rudolph die schwarz-weiße Mitte....
Ihre Kritik an herrschenden Repräsentationsmustern ist nicht so aggressiv, wie sie ob ihrer Inhalte sein könnte. Aber auch zartbebildert kann Rudolph ihre Konzeption erklären: Zeigen, zeigen, zeigen, wiederholt und dekonstrktiv, orientiert an dem inneren Eindruck, xy müsse SOOOOOO sein. . Wenn Rudoph neben ihren an Juwelierarbeiten erinnernden Bilder steht, muss man an Derrida denken, wie er lange Zeit gelesen wurde. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Aber die Such- und Findewege sowie die sozialen Anlässe für eine Suche müssen dorthin weichen. Man stelle sich vor, das Blog-Bild hinge im Wohnzimmer von Monsieur X, welche Wirkung hätte es dort, irgendeine dekonstuktive Kraft oder einfach ein Schönheitsideal, wie die Künstlerin nahelegt??? Irgendetwas widerstrebt - vielleicht das nahezu aufgesetzt Natürliche in einigen Bildern, das zu der Emailletechnik mit ihrer Tendenz, das Motiv ins Überzeitliche hineinzuinszenieren, nicht passt?
Mit einfachen Infos stellt Rudolph die eigene repräsentationsorientierte Auswahl ihres Mobilés in semitraditionellen Medien vor - aber die Inhalte - Lady Di? Nur Rang und Namen. Doch hier mit anderen, blassen Bildern. Insofern wieder unstimmig, weil in sich widersprüchlich, erscheint die Repräsentation als *Lüge* ? Das Erstaunliche eigentlich, mein erster Eindruck und meine letzten Buchstaben für dieses Mal: die Repräsentationskritik von Rudolphs etwas zu stillen Werken ist theoretisch exakt: Sie zeigt Widersprüche und weist dadurch auf verborgene "Interessen" hin, die selbst nicht benannt werden - also: Dialektik und "Es gibt kein richtiges Leben im falschen". Der dekorative Gehalt der Werke jedoch zeigt uns eine Künstlerin, die auf keinen Fall als linke Rebellin gesehen werden möchte - das behaupte ich - sie geht quasi durch ihre Wohnung, die hübsch, sehr hübsch eingerichtet ist, und schaut sich an, was sie oder ihr Gehirn davon als wichtig und standardisierbar markiert haben. Das Allverwandelnde, in Ornament und quasi Dekoration hineinzugestalten, ausdrücklich eine Grundidee ihrer Kunst, ist die sehr persönliche Art zu dekonstruieren. Ein bisschen zu erlaubt, fand ich.
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